Studie. Architektur, Behinderung & Langzeitpflege

Hintergrund: Bei Menschen mit einer Behinderung, die sich in Langzeitpflege befinden, ist der Einfluss der gebauten Umwelt auf ihr ganzes Leben von besonderer Bedeutung, da sie nur eingeschränkt fähig sind, selbst eine andere Umgebung aktiv aufzusuchen. Es ist davon auszugehen, dass die Gestaltung der Umwelt Einfluss auf ihr Wohlbefinden, ihre Stresserfahrung, ihre Gesundheit, den Umgang mit ihrer Behinderung, den Grad ihrer Unabhängigkeit und sogar das Ausmaß an Verhaltensproblemen hat.

Ziel: Das Niederländische Institut für Gesundheitsforschung und Entwicklung, ein Organ der niederländischen Regierung betraut Kopvol in Zusammenarbeit mit der Universität Leiden, Fachgebiet Orthopädagogik, mit der Bilanzierung des bislang verfügbaren Wissens zu diesem Thema, um Empfehlungen für Politik, Praxis und Forschung zu formulieren. Die Empfehlungen bilden die Grundlage zukünftiger Planungs- und Bauprojekte von Pflegeeinrichtungen für Menschen, die aufgrund einer geistigen, körperlichen und/oder sensorischen Behinderung und/oder einer psychischen Erkrankung 24 Stunden pro Tag Pflege bzw. Begleitung benötigen.

Methode: Zwölf wissenschaftliche Datenbanken wurden nach Schlagwortkombinationen durchsucht, ergänzt durch eine Feldbefragung. Nach einer systematischen Sichtung von 3095 Dokumenten nach PRISMA wurden 276 Dokumente eingeschlossen und ausgewertet. Die Analyse folgte einer zweidimensionalen Faktorenmatrix.

Ergebnisse: 42 Literaturübersichten, 176 Studien, 10 Dissertationen, 37 deskriptive Dokumente und 11 Bücher/Kapitel wurden gefunden. Die meisten Dokumente beziehen sich auf Menschen mit einer psychogeriatrischen Störung. Es gibt nur wenig Forschung über Menschen mit somatischen, körperlichen, sensorischen oder geistigen Behinderungen. Insgesamt konnten 26 Design-Komponenten und 19 Outcome-Cluster, die sich auf die Gesundheit, das Verhalten und die Lebensqualität beziehen, identifiziert werden. Die größte Anzahl von Studien fokussiert Wohnkonzepte. Gestaltungskomponenten werden meist in Gruppen von Menschen mit psychogeriatrischen Erkrankungen untersucht.

Schlussfolgerungen: In der Langzeitpflege ist das Wissen über Evidenz-basiertes Entwerfen nur begrenzt vorhanden.   Studien leiden häufig unter starken Qualitätsmängeln, die sich in vier Kategorien abbilden lassen. In allen ist eine Förderung prospektiver Längsschnittstudien zu empfehlen. Bislang können Aussagen über Gestaltung und Planung von Langzeitpflegeheime, die einen messbaren Einfluss auf Lebensqualität et al. der Bewohner ausüben nur unzureichend wissenschaftlich untermauert werden. Nur wenige Ergebnisse betreffen überhaupt architektonische Interventionene. DIe meisten beziehen sich auf marginale Änderungen im räumlichen Design oder Komfort.

Roos, J.L., Vollmer, T.C., Dijkxhoorn, Y.M., Koppen, G., Van Schijndel-Speet, M. & Swaab, J.T. (2021). Unlimited Surrounding. A scoping review on supportive architecture and care-homes. Article in progress

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